Samstag, Januar 03, 2009

"Der Bischof von Norwich ist ein schrecklich netter Kerl...." Das ehrwürdige Ritual der Portweintrinker

Hoggett
Original Portwein Decanter
Bleikristall, mundgeblasen, handgeschliffen
eine runde Karaffe zum Dekantieren
welche die Tischgäste
nicht
auf den Tisch stellen können
-den Untersatz hat nur der Gastgeber vor sich-
Warwick Hoggett

Schuld ist der einmal unaufmerksame
Bischof aus Norwich
in Nofolk

Die Geschichte eines Trinkrituals
englischer Soldaten in Portugal,
die Portwein saufen

Das stilechte Portweintrinken hat ein
traditionelles rigoroses Comment
etwa seit 1703 in Gebrauch

1. Vorschrift
Grundsatz
"Port to Port"
(Hafen zu Hafen)
die Portweinflasche muß wandern
von einem Zechkumpan zum andern

Einschub:
Die Vorschrift "Passing the Port" gab es wirklich !
Und zwar auf englischen Schiffen.
Statt Sauerkraut oder Rollmops (Fisch in Essig)
eine Tagesration
Säure gegen Skorbut
(A scorbin säure)
tranken die Seeleute Englands
Portwein (Traubensaft-Branntwein)
-oft aus Holunderbeeren als billiger Ersatz-
mit hohem Vitamin C Anteil
wegen der Trauben......

Ursprung des Madeira Weins
Englische Schiffe durften nur in englischen Häfen
Proviant einkaufen.
Als eine Portugiesin englische Königin wurde anno 1662
erwirkte sie für ihre Heimat eine einzige Ausnahme:
Der Hafen von Funchal/Madeira!

da gab es aber nichts zu kaufen,
was man als Seefahrer hätte gebrauchen können !
Clevere Geschäftsleute investieren auf
Madeira in Weinbau !!
Einschub Ende


2. Vorschrift
Der Gastgeber füllt sich selber das Glas.
Niemals darf man Portwein einem Dritten einschenken.
-auch wenn es sich zufällig um eine Dame handelt!-


3. Vorschrift
Die Portweinflasche darf nur nach links
weitergegeben werden.
Hierbei muß die rechte Hand die Flasche fassen.
Der Tischnachbar zur Rechten muß warten....

Erklärung:
Im englischen Heer während der Napoleonischen Kriege
saß stets rechts neben dem Herrn Hauptmann (Coronel/Oberst)
dessen persönlicher Adjudant.
Der Kellner der Ordonnanz stellte den Port auf den Tisch.
Der im Rang niedere Adjudant war somit der
letzte, der sich den Portwein einschenken durfte.
Erklärung Ende

4. Vorschrift
Niemand darf bei leerem Glas
nach der Portweinflasche verlangen

5. Vorschrift
Der Gast, welcher das Weiterreichen der Flasche
versäumt, weil er seine nächste Nähe zu ihr nicht bemerkt
muß mit folgender Frage ermahnt werden:

"Kennst Du den Bischof von Norwich?"

6. Vorschrift
Ist der angesprochene Tischgast ein Mitglied der
sozialen Unterschicht, ein avancierter Plebejer
-beispielsweise ein Pöbel aus den boondocks-
und antwortet mit:
"Nein, kenne ich nicht!"
lautet der Wink mit dem Zaunpfahl:


7. Vorschrift
"Er ist ein schrecklich netter Kerl,
aber er reicht nie den Portwein weiter!"

Gastgeber, die ihren Gästen diesen hochnotpeinlichen Faux Pas ersparen wollten, servierten ihren Portwein daher stets in einer bauchrunden Bleikristallflasche, welche man erst garnicht abstellen konnte und weiterreichen mußte, im Uhrzeigersinn von Gast zu Gast, bis sie wieder bis zur Neige geleert beim Gastgeber anlangte, der sie auf das Podest stellen konnte, den Mundschenk um Nachschub bat und das Zeremoniell sich wiederholte.......


Allgemeiner Hinweise:
1.
Das Anstoßen der Gläser beim Zuprosten
hatte früher einen sehr wichtigen Zweck:
Der Gastgeber schenkt ein Schlückchen Getränk
in den Becher seines Gastes und beweist damit
"das Zeug enthält meines Wissens kein Gift"

2.
Einen Toast ausbringen
Frankreichs König Franz I. (1494-1547)
filterte seinen Rotwein -Franzwein!-
stets zuerst über eine pechschwarz geröstete Toastscheibe,
um die Bitterstoffe auszufiltern.
Internationale Trinksprüche


Quellen:
Bitte den Kommentar von Gerd lesen!
Weitere wichtige Details der Portwein Etikette!

Danke, Gerd, für Deinen Hinweis!
Ich habe meine Fehler korrigiert.

1. Portwein Geschichte (Portwine History)

2. Der infame Bischof von Norwich

3. New York Times: Port in a Storm

4. The Bishop of Norwich is an awefully nice fellow

5. Rambles from my chair

6. Portweinkenner besuchen gern den Gerd

PS
Ein historisches Trinkritual in Deutschland:
Trink-Kommandos beim Salamander-Saufen

2 Kommentare:

Gerdinho hat gesagt…

Lieber Ralf, wieder einmal eine schöne Geschichte über Portwein von Dir. Die 2. Vorschrift bedarf jedoch einer Korrektur. Gemäß Henrik Oldenburg in seinem Buch "Port" , Copenhagen 1999, S. 346: "Always pass it to your left, i.e. clockwise, and always with your right hand. Maybe because tht right hand is then busy and cannot be up to any monkey business, but most probably because Port in the sailor's language means "on th port side", i.e. the left side.
A third importante rule is that you only pour yourself a glass of Port. You take the decanter, which your table companion to the right has passed to you, you pour yourself a glass of Port, and place the decanter in front of your table companion to the left using your right hand. Never pour a glass of Port - even to a lady! If she has ventured into this man's world, she has to follow the rules and pour herself a glass of Port."
Irgendwie ist dies sinnvoller als Deine beschriebene Prozedur. Wenn der Gastgeber seinem Gast zur Rechten einschenkt und den Daekanter nach links weitergibt, was macht dann derjenige? Dem Gastgeber zur Rechten einschenken, der hat sein Glas ja schon voll...?
Bei einem Abendesssen mit der Familie Bergqvist auf der Quint de la Rosa im Mai 2006 hat uns Tim die Version von Oldenburg erzählt und als der Dekanter, ohne runden Sockel, wieder bei ihm ankam, war er trotzdem leer (wir waren allerdings auch eine große Runde).
Solche und ähnliche Geschichten wären sicherlich auch ein guter Beitrag für die am 17.Januar stattfindende 19.Weinrally, deren Thema 'gespritete Weine' ist. Siehe hierzu Port-Blog vom 4.1.2009
abracos Gerdinho

Ralf hat gesagt…

Obrigado, Gerdinho.
abraço
Ralf

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