Montag, April 14, 2008

Historischer Zeitungsbericht "Schlacht von Alcácer-Quibir" (Nürnberg 1579)

Diese Reportage von Leonrad Heußler aus 1579, nur ein Jahr nach Portugals größter militärischen Katastrophe seiner Geschichte, ist eine Sensation.

Alles dreht sich um König Sebastian.
Verschollen, so sagt die Legende und sein Mythos, sei der junge König auf dem Schlachtfeld dort in Alcácer Quibir.
Und das Volk in Portugal -und in aller Welt- harrt seitdem seiner Wiederkehr als Retter Portugals, Erlöser aus Misere und Ärmlichkeit.

Durch ihn, wenn er kommt, wird Portugal endlich zum Herrscher der Welt.
Portugal wird das Quinto Imperium (Fünftes Reich) gründen und ganz Europa und alle Welt himmlisch mystisch erhöhen (sprich: die Ungläubigen versklaven)

O Encoberto
Der
-in Alcácer-Quibir (Alcazarquivir)-
Unsichtbargewordene

Gemälde von
Carlos Alberto Santos

kommt in einem Nachen
wie einst Lohengrin
zu seinem Volk

O Desejado
Der Herbeigesehnte
Portugals König Sebastian


Es gibt ihn aber leider nicht wirklich.
Der Mythos ist ein Trugbild ein Irrlicht.
Sein Verschwinden auf dem Schlachtfeld....
nicht Legende sondern Lüge.

Lesen wir was wirklich geschah:

Ich kann Euch Günstige Leser die leidige Zeitung nicht verbergen, was sich mit unserem König Sebastian I. in Portugal verloffen (??) und anfänglich die gemeine Sag gewesen ist:

Es wird von offizieller Seite die abstruse Fehlinformation in die Welt gesetzt, Portugal wolle Irland und England überfallen.
Die Flotte verläßt Porto und Lissabon.
Jedoch nimmt sie Kurs auf Cales Males (Cadiz).

Obwohl wir hier erfahren, daß 150 Segelschiffe mit Proviant vom spanischen König zur Verfügung gestellt wurden, bleibt die Waffenhilfe und Position des Spaniers ansonsten suspekt....

Sebastian hat für die Zeit seiner Abwesenheit die Regierungsgeschäfte in die Hände des Primarius Erzischof gelegt.
Es handelt sich vermutlich um Jerónimo Osório da Fonseca (1506 - 1580)

Sieh an !
Portugal hat sich Großes vorgenommen.
Marokko ist nur ein Etappenziel:
Portugal will Kenia von Land aus erobern : Maragua
[ich dachte bisher, dort in den Häfen waren zu dieser Zeit die Portugiesen bereits ?!-Anm.]

Portugal denkt heroisch !

Der Thronerbe von
Fez
hat Ärger mit seinem Rivalen
-Familienzwist zweier Muslime-
Aber echte christliche Helden helfen immer !

Abu Abdullah
bittet in Portugal um Waffenhilfe
und alle alle wollen dem armen Entrechteten helfen ....

In Marokko warten die Türken schon !!
Der Sultan des Osmanischen Reiches
hat seinen Sheriff (as-Shariff)
gut ausgerüstet und vorbereitet.

Des Sultans Statthalter in Fez
der Rivale ist
Abu Abdullahs Onkel :
Abu Marwan

Kommentar:
Vom Türkenhasser, Portugalfeind aber Spanienfreund Abdallah-al-Galib -seinem Bruder- war dieser Abu Marwan vor langer Zeit im Streit um die Macht besiegt worden.

Abu Marwan floh daraufhin in das Osmanische Reich.
Viele lange Jahre später, im Jahr 1576, kommt er "als Türke" zurück, um Rache zu üben.

Abu Abdullah -Sohn des inzwischen verstorbenen Portugalfeindes und dessen Thronerbe- bekommt die Rache seines Onkels zu spüren....
Mit türkischer Hilfe siegt Abu Marwan in jeder Hinsicht.
.....und nun ist es Abu Abdullah, der auf Rache sinnt.

Mit Hilfe Portugals, rechnet sich der Neffe Abu Abdullah Chancen aus !
Dank portugiesischer Waffenhilfe will er wieder herrschen wie zuvor.
Daß sein Vater und Erblasser ein Portugalfeind war, stört ihn indes wenig.
Er muß in die Hauptstadt : Fez

Von der absoluten Uneigennützigkeit der Portugiesen ist Abu Abdullah mit Sicherheit persönlich uneingeschränkt überzeugt !

Einschub:
Leider sind viele Stadtbewohner in Fez, deren Großeltern -weil sie Mouros (Mohren = Berber/Araber) waren- aus Portugal vertrieben wurden , ganz und gar nicht gut auf Portugiesen zu sprechen !
Manche ein Mouro wurde in Portugal zurückgelassen oder wurde notgedrungen katholisch.
Zum Glück für Portugals Fußballfreunde.
José Mourinho (Josef Mohrlein -kleiner Mohr) -das können wir von seinem Familiennamen ablesen- ist ein Portugiese dessen Vorfahren mit Merkmalen der Berber in Gesicht und Hintern -(in Deutschland:) Mongolenfleck genannt- auffällig waren.
Hat José garantiert !
Wer will mit mir wetten ?
Kommentar und Einschub Ende

Sebastian hat es eilig.
Am 3. August gehen seine Soldaten an Land
er will so schnell wie möglich
-im Interesse Abu Abdullahs-
Fez (Fes) erreichen

Ein wesentlicher Teil der Truppen
ist zum Schutz der Versorgungsschiffe
in Asilah zurückgeblieben

Übernachtung am 4. August bei Alcácer
(Ksar-el-Kebir)

23.000 Fußsoldaten
1.600 Ritter
müde und erschöpft ......
Die Ratgeber empfehlen ein Verschanzen....

Einschub:
Wem die Portugiesen hier noch Truppen zugewiesen haben, ist vermutlich nicht der Xeriff (denn das ist der Titel des türkischen Statthalters) sondern gemeint ist sicherlich der Sohn des rechtmäßigen Herrschers von Fez.
Der Abu-Abdullah hat somit -nach dieser Quelle hier- von König Sebastian eine kleine Privatarmee erhalten, mit welcher er irgendwo bei Masegon (?) herumspaziert.
Auch diese Truppen werden unter fremder Regie im entscheidenden Moment unbrauchbar sein.

Einschub Ende

5. August 1578
Erste Kampfhandlungen

auf einem schönen ebenen Feld
fünf oder sechs Meilen entfernt von Zangier

Dieses Foto zeigt das Schlachtfeld
16 km nordöstlich von

Ksar el Kabir
(Zangier)
Fernando Venâncio war dort
Obrigadissimo, Danke !
-und Danke Susana & Valupi für Euren Korrekturhinweis-

Für den König Portugals
sieht die Lage
nach einem baldigen Sieg der Portugiesen aus

Die alliierten Marokkanischen-Türkischen Verbände hatten einen Angriff begonnen.
Es ist aber bloß ein taktisches Scharmützel, kein Großangriff.
[Die Portugiesen sollen ihrerseits zu einem Angriff verleitet werden noch bevor die restlichen Truppen eintreffen - Anm.]

Die Deutschen und Italiener, erfahrene Söldner, die ihr Kriegshandwerk verstehen, warnen den übereifrigen König vor einer möglichen Falle...

König Sebastian weiß es besser
und schüttelt ablehnend mit seinem Kopf


Sebastian schreit dreimal:
Marchamos, Marchamos, Marchamos !!
wir marschieren, wir marschieren, wir marschieren

Kurios:
In der Nationalhymne Portugals wollen die übermütigen Portugiesen noch heute -zwar nicht mehr wie ursprünglich seit 1892 gegen Engländer, weil das im 1. Weltkrieg nicht gut geklungen hätte- aber dafür..... noch dümmer
gegen Kanonen marschieren, marschieren.....
weil sie wohl nicht wissen, wie gefährlich das ist.
Kurios Ende

Die technisch überlegene Armee Portugals ist zu ihrem großen Nachteil müde, hungrig, nicht diszipliniert und noch überhaupt nicht vollständig versammelt.

Aus einem Scharmützel
entsteht unvorhergesehen
die Entscheidungsschlacht

So ganz stimmt diese Abbildung aber nicht !

Die Portugiesen denken die Feinde fliehen
und rennen blindlings hinterherbis sie alle selbst vor die Mündungen
ihrer eigenen Kanonen gelaufen sind
und diese somit unbrauchbar sind
(Kanonen sind nämlich keine Haubitzen -Anm.)

Jetzt erst erscheint die Nachhut der Marokkaner
überraschend von allen Seiten aus ihren Verstecken
und zingelt die Portugiesen ein
mit der Taktik
halber Mondschein



Nahaufnahme Zoom in:
Hier sehen wir Portugals reichsten Jet-Set Dandy
den Sohn des Hauses Braganza
wie er kämpft....
1.000 Body Guards hat sein Papa
mit deutschen Arkebusen ausgestattet
und mitgeschickt
damit Mamas Liebling
in seinem vergoldeten Cabrio
nichts passiert
Zoom out

Die Marokkaner schlagen die Portugiesen in die Flucht
die Kanonen richten sie nun gegen die Portugiesen selbst

Da sehen sie unseren Dandy aus Braganza
in seinem güldenen Wagen und denken irrtümlich

Wir haben ihn !!Sie haben aber nicht König Sebastian
sondern nur den Playboy aus Nordportugal
der sofort mit dem Geld von Papa
sein Leben freizukaufen versucht....
(nach Heldenart)

Die Marokkaner verstehen aber jetzt
keinen Spaß....

Der Stallmeister soll sagen,
wo König Sebastian istDon Christoff Tabra heißt original:
Cristóvão Távora
daheim mutiger Stierkämpfer zu Pferde

der fängt jetzt vor Schreck zu heulen an
(nach Heldenart)

ihm war gestern noch spätabends
ein richtiges Gespenst erschienen,
der Schutzengel Portugals

Ab jetzt wird der Verbleib des Königs Sebastian nebulös.
Man darf sich diese Person nicht als Ritter und Haudegen vorstellen.
Am liebsten traf er sich mit afrikanischen Schwulen im Wald von Sintra.
Sebastian litt seit 10jähriges Kind an "Gute Morgen Tropfen"
Sebastian war von seinem Jesuiten Beichtvater mißhandelt und an Geist und Körper krank.

Vonwegen verschwunden !
Wir erfahren aus der Zeitung anno dazumals:

"Es ist den Portugiesen vergönnt gewesen,
des Königs Leichnam zu suchen
denselben zu bewahren
und königlich einzumachen"


Das Gerücht von seinem Verschwinden
eine legitime Schutzbehauptung
wird alsbald als unwahr korrigiertDer Leichnam wurde gefunden !

Alles anderes nur Ausreden !
Faule Ausreden, aus Wut, aus Kalkül,
als Ablenkungsmanöver

Die Schreckensnachricht erreicht
Lissabon
Geld, Gut & Blut verloren

Damit erbaut sich ein glücklicher Marokkaner
seinen
BADI PALAST
nicht in Fez
in
Marrakesch


Einschub:

Der Untergang der großportugiesischen Armee in Alcácer Quibir ist für einige (ex-)Portugiesen gleichfalls eine große unerwartete Freude, die ihnen das Leben rettet.

König Sebastian hatte nämlich vor Schlachtbeginn ein grausames Gelübde abgelegt.
Er wolle zum Dank für die Eroberung Marokkos, dem Herrn Jesus den Gefallen erweisen und sämtlich Juden des marokkanischen Landes wenn möglich töten oder zumindest das Land judenrein machen......
Die Juden in Marokko -wie viele Arabaer- waren vor ein/zwei Generationen aus Portugal und Spanien vertrieben worden.
Ihre Sprache -das Ladino- erinnert noch heute an ihre Herkunft und ihr trauriges Schicksal.
In Marokko hat es sich wegen dieser Niederlage Portugals nicht wiederholt.
Seither feiern -verständlicherweise- die Juden in Marokko am 5. August alljährlich ein besonderes Purimfest.
Einschub Ende

Die Schlacht
der
Drei toten Könige


Der weitere Verlauf der Geschichte ?

Es kam anders, als man hier noch dachte:
Es gilt die weise Anmerkung:

doch ändern sich der Herren Gemüter leicht
(typische Angewohnheit von Politikern)

3 Kommentare:

San Ju hat gesagt…

Hallo Konrad,

das ist ja ein höchst interessanter Anfang. Ich denke, dass du später noch etwas ausführlicher auf die Quelle eingehen wirst.(Wer hat die Zeitung geschrieben, wo hast du sie gefunden, gibt es Literatur dazu?)
Vor nicht all zu langer Zeit bist du offenbar auf eine Zeitung aufmerksam geworden, zu der ich etwas schrieb. Es ging um das Massaker von Lissabon im Jahre 1506 (http://www.hansjurt.ch/text/Massaker/Massaker.pdf).
Es ist doch interessant, wie bereits im 16. Jahrhundert Nachrichten zu aktuellen Ereignissen aus dem "fernen" Portugal den deutschsprachigen Raum erreichten.

Ich habe mir deine Adresse gemerkt!

San Ju

bbk hat gesagt…

Hallo Ralf,

uff -super wie immer!

Gruss gen Norden

Hans (HJB)

susana hat gesagt…

Ralf, the post you linked published under Valupi is by Fernando Venâncio.

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